"Je m'appelle Isabelle, et je suis la responsable du FAST MOTO SERVICES"
Sie steht vor der kleinen Motorradwerkstatt in Fort-de-France und saugt an ihrer Zigarette. Es ist bestimmt nicht die Erste heute, und es wird auch nicht die Letzte sein. Die Spätnachmittagssonne scheint quer über die Straße, aber in den hinteren Winkel der kleinen Werkstatt dringt sie nur mit Mühe, dort herrscht das Neonlicht, ein Radio läuft.
Sie gehört hierher, das kann man sehen. Dennoch fällt sie auf auf der Straße, zwischen den karibischen Gesichtern, den Schwarzen und Kreolen, den zahnlosen Alten, die am Fenster an der Straße auf die Gelegenheit für ein Pläuschchen warten, den Barbesuchern, die die letzten Fußballergebnisse diskutieren und den Halbstarken, die neben ihren aufgebohrten Mofas und Motorrädern herumlungern.
"Ich heiße Isabelle, und ich bin die Verantwortliche für FAST MOTO SERVICES.", verrät sie. In dem kleinen Unternehmen in der Rue Jules Monnerot im Quartier Terresainville verkaufen sie alles, was man so als Motorradfahrer brauchen kann. Von der neusten Helmvisierkollektion über Schutzkleidung bis zu Vorderradgabel und Sportauspuff. Ihr Platz ist mehr hinter der Theke, im klimatisierten, nach Reifengummi riechenden Laden nebenan, aber ihre Leidenschaft ist das Motorradschrauben. Sie hat es im Lauf der Zeit gelernt, als Hobby hat es angefangen und jetzt kann sie an den Maschinen alle kleineren Arbeiten machen... Hier ein Schutzblech wechseln, da eine Bremse einstellen... Für größere Arbeiten wie einen Motorwechsel fehlt sowieso der Platz, sagt sie. Und dann ist da noch ihr Mechanikerkollege. Der sitzt zwar grade sehr bequem und unverrückbar vor dem Fernseher im Laden und schaut amerikanische Motoradtuningserien, aber sonst macht der die ganzen größeren Arbeiten.
Es ist eine echte Werkstatt, ganz so wie man sich ein kleines Schrauberparadies vorstellt: Zwischen Motorteilen und abgenutztem Werkzeug stehen alte Dosen und Gläser herum, gefüllt mit allerlei Nützlichem und sonstigem Krimskrams. An der Wand hängen Pin-Up Girls neben sauber aufgereihten Schraubenschlüsseln und anderem Werkzeug. Links steht ein Motorrad an dem wohl gerade gebastelt wird; der Sitz und die Abdeckungen fehlen.
Auf die Jugendlichen angesprochen, die sich ohne Helm und mit lebensverachtender Geschwindigkeit zwischen den Autos auf der Rocade durchschlängeln wird sie ernst. Ja das ist wirklich Wahnsinn, wie die fahren. Noch dazu ohne Helm. Bei manchen passt der Helm halt auch nicht mehr über die Rasta-Locken, aber trotzdem, sie sagt ihnen immer, dass sie nicht ohne Helm fahren sollen. Genug enden im Krankenhaus. Mofas aufblasen, das machen sie hier eh nicht, versichert sie.
Seit zehn Jahren ist sie schon hier. Nach Frankreich geht sie nicht mehr, sagt sie. Viel zu kalt! Natürlich ist es etwas anderes hier zu arbeiten, als hier nur Urlaub zu machen, aber trotzdem, sie geht hier nicht mehr weg. Daheim kann man bestenfalls acht, neun Monate Motorrad fahren, hier fährt sie 12 Monate im Jahr! Und auf der Straße kennen sie alle, hat man den Eindruck. Sogar der Müllmann, der hinten auf dem Müllauto hängt, grüßt sie. Und immer grüßt sie lässig zurück... Ja sagt sie, Martinique ist halt eben doch eine kleine Insel, da kennt man sich. Außerdem ist sie auf der ganzen Insel der einzige weibliche Motorradmechaniker, verrät sie stolz, da wird man schnell bekannt. Einer ihrer Kunden hat ihr einen Spitznamen verpasst, "Ti Bouchon" - "Kleiner Stöpsel"... Irgendwie ist der Name aus einem Scherz entstanden, und dann an ihr hängen geblieben. Nun ziert er auch ihr eigenes Motorrad, ein schnelles schwarzes mit gelben Zierstreifen rings um die Felgen.
Und auf der Straße gibt ein Motorrad Vollgas, fährt mit großen Getöse vorbei, kaum hat man sich umgedreht, ist es schon weg... Sie winkt lachend hinterher. Schade dass du das nicht hast fotografieren können, strahlt sie. Der ist nur auf dem Hinterrad vorbeigefahren! ...ein Wheely!